Versammlung der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) in Novi Sad.

Welchen Sinn hat es, eine Woche lang in einem fernen Land zusammenzusitzen und über die Situation derr Kirchen in Europa zu reden? Ich kann mir vorstellen, dass bei vielen Kirchenmitgliedern diese Frage entsteht, wenn man sie nach der Bedeutung von kirchlicher Zusammenarbeit auf europäischer Ebene fragt. Zudem ist es bereits in unserer belgischen Situation nicht selbstverständlich, mit anderen Kirchen – die manchmal als Partner, manchmal aber auch als Konkurrenten auftreten – zusammenzuarbeiten.

Als kleine Minderheitskirche hat unsere VPKB inzwischen jedoch eine großes Interesse daran, Partner zu finden – nicht allein um ihrer Stimme in der öffentlichen Diskussion mehr Geltung zu verschaffen, sondern auch um von den Erfahrungen von Anderen zu profitieren, um so ihre eigenen Standpunkte deutlicher zu formulieren oder auch um im Gespräch mit anderen Christ(inn)en sich selbst besser kennen zu lernen. Die KEK, die ökumenische Organisation der orthodoxen, anglikanischen und evangelischen Kirchen in Europa, ist eines der Foren, auf denen ein solcher Austausch möglich ist.

Als Kirchen in Europa haben wir sehr vieles, das uns verbindet, an erster Stelle natürlich unsere christliche Inspiration. Auch wenn der eine eher den inneren Aspekt des Glaubens betont und vor allem für ein Neuevangelisierung unseres Kontinents eintritt, während der andere stärker das soziale Engagement in den Vordergrund stellt, stehen wir uns in unserem Denken näher als wir oft meinen.

Die Versammlung stand unter dem Motto ‚Ihr werdet meine Zeugen sein‘ (Apg. 1, 8). Die Unterthemen der Versammlung schienen auf den ersten Blick eher auf Aktivitäten gerichtet zu sein: Gastfreundschaft, Gerechtigkeit und Zeugnis. Aber in der Versammlung wurden alle drei Themen mit dem biblischen Zeugnis vernbunden – in der Gestalt von Bibelstudien zu 1. Mose 18, 1. Könige 21 und Matthäus 28. Usere alltäglichen und selbst unsere politischen Entscheidungen sind nun einmal nicht zu trennen von unserem Glauben und vom Auftrag, den wir im Namen Gottes zu efüllen haben.

Es war deshalb kein Wunder, dass auch eine andere wichtige Frage auf diesem Forum europäischer Kirchen ausdrücklich gestellt wurde: Wie können wir von unserem Glauben her dazu beitragen, dass die europäische Politik (nicht nur die der Europäischen Union!) nicht allein auf individuellem oder nationalem Eigennutz beruht, sondern wirklich ein Herz hat, von Glaube und Inspiration angeregt wird und so ihrerseits die Bewohner Europas inspirieren kann? Als Antwort auf diese Frage wurde auf die Werte der jüdisch-christlichen Tradition verwiesen, die der europäischen Zusammenarbeit zugrunde liegen und die bereits so lange den Frieden auf unserem Kontinent bewahrt haben.

Vor diesem Hintergrund war es dann auch kein Zufall, dass die Versammlung in Novi Sad stattfand, wo am Ende des letzten Jahrhunderts im Rahmen des bosnisch-serbischen Konflikts Brücken bombardiert wurden, während nun an diesem Ort auf symbolische Weise Gemeinschaft gestiftet wurde, um im nächsten Schritt die Hände auszustrecken und Brücken zwischen unseren Kirchen zu bauen.

Für mich persönlich war es eine bereichernde Erfahrung, an dieser Versammlung teilzunehmen und viele neue Brüder und Schwestern in Christus kennenzulernen. Es klingt vielleicht etwas naiv und zu optimistisch, aber ich fühlte mich am stärksten in den Andachten zu Beginn und Abschluss des Tages sowie im (anglikanischen) Gottesdienst, den ich am Sonntag besuchte, zu Hause. Dort hatte ich tatsächlich oft den Eindruck, dass Gemeinschaft entstand, indem wir singend die Worte des jeweils Anderen in den Mund namen und so vielstimmig das Lob unseres Herrn sangen. Vielleicht müssen wir mehr üben, gemeinsam das Heil zu feiern, und das Diskutieren über genaue Formulierungen hintanstellen.

Pfr. Jelle Brouwer, Delegierter der VPKB

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