Befreit, verbunden, engagiert

Drei Worte bildeten das Thema für das evangelische „Konzil“: So hat die überwiegende Mehrheit von Zeitungen die achte Generalversammlung der GEKE (Gemeinschaft evangelischer Kirchen in Europa) bezeichnet. Sie fand in Basel vom 13. bis 18. September in Basel statt.

Einheit als versöhnte Verschiedenheit

Man findet das mittelalterliche Gebäude aus rotem Sandstein hinter einem leicht abschüssigen Hang. Dann kommt der größte Raum in den Blick: Er befindet sich in der evangelischen Kathedrale (Münster) von Basel und er diente ehemals als bischöflicher Gerichtshof. Dort hatten sich Delegierte von etwa hundert evangelischen Kirchen (lutherische, methodistische, reformierte und unierte) versammelt, um zusammen zu arbeiten und zu beten.

Die GEKE repräsentiert mehr als 50 Millionen Protestanten. Dreißig europäische und südamerika¬nische Länder sind Mitglied. Die Grundlage der GEKE ist der Text einer Lehrvereinbarung zwischen protestantischen Kirchen, unterzeichnet 1973: die Leuenberger Konkordie.

Dieser Text bestätigt das gemeinsame Verständnis des Evangeliums als Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes, die sich in Jesus Christus offenbart. Der Text betont, dass „zur wahren Einheit der Kirche die Übereinstimmung in der rechten Lehre des Evangeliums und in der rechten Verwaltung der Sakramente notwendig und ausreichend“ ist. Konkret hat das zur Folge, dass die Predigerschaft ihren Dienst in allen unterzeichneten Kirchen ausüben kann.

Durch ihre Vereinbarung darüber, was sie für ihre Gemeinschaft als wesentlich erachten, akzeptieren die Kirchen der GEKE auch eine gewisse Vielfalt in ihrer Praxis, in Positionen und Organisations-formen. Dieses Modell, Einheit als „versöhnte Verschiedenheit“ zu verstehen, ist für die Arbeit der Kirchen fruchtbar. Dennoch macht dieses Verständnis es notwendig, in regelmäßigen Abständen immer wieder aufs Neue nachzudenken, etwa über sozialethische Fragen.

Welche Meinungsverschiedenheiten sind innerhalb der Grenzen geduldeter Vielfalt akzeptabel und was bedroht die Gemeinschaft? Fragen zur Demokratie und zum Aufkommen des Populismus in Europa sowie Fragen zu Ehe, Familie und Geschlecht werden in den kommenden Jahren zu den Arbeitsschwerpunkten der GEKE gehören.

Zusammen eine Kirche sein

Dies bedeutet auch, die kirchliche Gemeinschaft zu vertiefen, die Einheit der Kirche zu fördern und der Gesellschaft zu dienen. Dies sind die drei Ziele, die sich die GEKE für die Zukunft gesetzt hat.

Einer der bewegendsten Momente des Treffens war während des Gottesdienstes in der Kathedrale am Sonntagmorgen die Unterzeichnung eines Abkommens, einen formellen Dialog über die Kirche und die kirchliche Gemeinschaft zu eröffnen zwischen der GEKE, vertreten durch ihren Vorsitzenden, Pfarrer Gottfried Locher, und der katholischen Kirche, vertreten durch Kardinal Kurt Koch, Vorsitzender des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.

In diesen Tagen haben die Delegierten Dokumente diskutiert und verabschiedet, die sich mit dem interreligiösen Dialog, der Debatte um die Weiterbildung von Prädikanten, der Theologie der Diaspora oder der Ethik der Reproduktionsmedizin beschäftigen. Aber die Delegierten sind sich auch begegnet. Sie haben sich in ihrem Glauben, ihrer Menschlichkeit kennengelernt und konnten ihre Freude, ihre Herausforderungen und ihre oft so unterschiedlichen Situationen miteinander teilen.

Die Gemeinschaft ist durch den Reichtum dieses Austausches, durch die Gebetszeiten und die Meditationen, die sie zusammen erlebt haben, vertieft worden.

Drei Engel tanzen auf dem reich verzierten Portal der Kathedrale und erinnern jeden Besucher daran, dass der Glaube von Freude und Inspiration lebt. Die Gesichter vieler Delegierter bezeugten dies am Ende des “Konzils”.

Pfarrerin Laurence Flachon

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