Von der Einengung und Rückgewinnung des Spielraums

2.      „Der Sabbat ist um des Menschen Willen gemacht” (Mk. 2, 27): Von der Einengung und Rückgewinnung des Spielraums



24. November 2026, 20.00 Uhr – Gemeindehaus der Protestantischen Kirchengemeinde Eupen, Hookstraße 40



Ein Zugschaffner, der einem Fahrgast abnimmt, dass er tatsächlich unverschuldet ohne Fahrausweis im Zug sitzt und deshalb ein Auge zudrückt. Eine Lehrerin, die einem strauchelnden Schüler eine etwas bessere Note gibt, als er “eigentlich” verdient hätte, weil sie spürt, dass er das gerade braucht: Situationen, wie sie sicher jeder von früher kennt. Gefühlt müssen wir uns stattdessen heute, wenn wir einen Kundendienst anrufen, durch ewig lange Menüs wählen, nur, um dann doch am Ende eine Eingabe zu machen, die auf unsere persönliche Situation überhaupt nicht zutrifft. Wir erleben immer häufiger, dass die große Komplexität individueller Situationen auf begrenzte Konstellationen reduziert werden soll. Regeln, die unser Zusammenleben im Alltag eigentlich erleichtern können, werden so zu Schranken, die Spielräume einengen. Zugleich existieren Normen jedoch nicht grundlos. Unsere Flüsse sind heute sauberer als vor 30 Jahren, weil es Umweltschutzauflagen gibt, die Luft um uns ist gesünder, seit Benzin kein Blei mehr enthält. Doch wie kam es zu den vielen Einschränkungen des Spielraums, den vielen Fragebögen, und welche Möglichkeiten gibt es, Handlungsspielräume zurückzugewinnen? Welche Antworten kann eine christliche Ethik auf die Frage nach dem persönlichen Handlungsspielraum geben? Diesen Fragen gehen wir in einem Vortrag mit aktuellen Ergebnissen aus der Soziologie nach, über den wir im Anschluss auch gemeinsam sprechen.

 

Erwachsenenbildungsreihe “Christliche Ethik in aktuellen Fragen – Antworten auf Fragen des Zusammenlebens”
 

Die Reihe “Christliche Ethik in aktuellen Fragen – Antworten auf Fragen des Zusammenlebens” greift einige aktuelle Beiträge aus Wissenschaft und Gesellschaft auf, um sie mit Fragen christlicher Ethik zu verbinden. Gemeinsam ist allen Themen, dass wir versuchen möchten, Antworten auf aktuelle Fragen zu geben, die uns immer wieder in unserem Alltag begegnen, und diese Antworten auch gemeinsam weiterentwickeln möchten. Eine Besonderheit der Reihe ist dabei, dass die hier besprochenen Bücher und Themen sprichwörtlich christlich „gelesen” werden. Das heißt, dass wir davon ausgehen, dass die zugrundeliegenden Themen letztlich Menschheitsthemen sind, die es schon lange gibt, und die deshalb letztlich auch schon in der Bibel eine Rolle spielen. Aktuelle Fragen wie der Umgang mit sozialen Medien entspringen nicht zuletzt der Frage, worauf wir im Leben Wert legen und wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen wollen und können. Eine immer größere Durchdringung unserer Lebensbereiche mit Regeln wirft die uralte Frage auf, wie weit Gesetze und Regeln unser Leben bestimmen, und rufen damit auch Luther auf den Plan, der die Bibel und das eigene Gewissen in den Mittelpunkt seines Welt- und Glaubensverständnisses rückte. Fragen der Vergebung wiederum werden in der Bibel reichlich behandelt, doch könnte man heute den Eindruck gewinnen, dass die Welt immer gnadenloser wird. Den Abschluss der Reihe bildet eine gemeinsame Überlegung zum Thema Glaube und Zweifel sowie die Frage, in welchem Verhältnis diese vermeintlichen Gegensätze zueinanderstehen.

Die Veranstaltungen beinhalten je einen Vortrag und je nach Thema auch Einzel- und Partnerarbeitsphasen.

Referent: Dr. Nicholas Williams

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