SIND sichere fluchtwege KÄUFLICH?

Eine Reportage in der Reihe „Pano”* des flämischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders VRT vermittelte den Eindruck, dass an Menschen in Not Geld verdient wird. Dieser Eindruck wird dadurch erhärtet, dass bereits vor Beginn der Recherchen des „Pano“-Teams auf juristischer Ebene mit der Untersuchung möglicher Korruptionsfälle begonnen wurde. Auch die Kirchen sind schockiert – nicht zuletzt, weil sie Kontakte mit der betroffenen Gemeinschaft haben.

Zahlreiche Kirchen in Europa setzen sich für „humanitäre Korridore“ oder Safe-Passage-Programme ein. Sie wollen vermeiden, dass noch mehr Menschen auf der Flucht im Mittelmeer, in Wüsten oder in Flüchtlingslagern umkommen. Weiter fordern sie von den europäischen Regierungen, besonders gefährdeten Flüchtlingen, die in Lagern leben, die Chance zu geben, sich in Europa niederzulassen und dort ein neues Leben aufzubauen. Mithilfe eines „humanitären Visums“ können sie legal in Europa und Belgien einreisen. Weiter setzen Kirchen in Europa sich dafür ein, Flüchtlingen zu helfen, in Europa sesshaft zu werden und sich im Gastland zu integrieren, und dies in Zusammenarbeit mit der Obrigkeit.

Auch die VPKB hat an dem Programm „Humanitäre Korridore“ unter der Leitung von San‘ Egidio mitgewirkt. Bisher sind in Rücksprache mit den Behörden und entsprechend festgelegter Kriterien 150 Menschen aus dem Mittleren Osten nach Belgien gelangt. Daran haben wir keinen einzigen Cent verdient. Der Gewinn bezog sich ausschließlich auf die menschliche Ebene. Einige Familien wurden von lokalen VPKB-Gemeinden aufgefangen. Diese Aktionen wurden von uns als positiv erfahren. Sie bedeuten für uns, einen Beitrag zur christlichen Gerechtigkeit und Nächstenliebe zu leisten. Wir hantieren bei der Entscheidung für Menschen, denen wir die sichere Einreise ermöglichen, und bei der weiteren Begleitung in Belgien transparente Kriterien.

Beim Ausbau unserer Zusammenarbeit mit unseren Partnern berufen wir uns auf das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und auf anerkannte Nichtregierungsorganisationen (NGOs). So wollen wir Missstände vermeiden, wie sie nun ans Tageslicht gekommen sind.

Dabei orientieren uns an den Empfehlungen des Vluchtelingenwerk und von Orbit vzw bezüglich humanitärer Visa. Wir fordern die Politiker auf, diese ernst zu nehmen und darüber zu diskutieren, wobei wir davon überzeugt sind, dass es in der Gesellschaft Partner gibt, die zum Mitdenken bereit sind, darunter die einzelnen Glaubensgemeinschaften.

Orbit vzw Ineteractief Iedereen aan boord

Standpunten vluchtelingenwerk

Im Namen der Projektgruppe Over Hoop en Huizen (Über Hoffnung und Häuser):

Tetty Rooze

tettyrooze(at)gmail.com

 

 

* Am 15. Januar 2019 deckten VRT-Reporter auf, dass potenzielle Flüchtlinge bzw. ihre Familien, die vor allem aus dem Mittleren Osten stammen, Kontaktpersonen des belgischen Einwandererministeriums große Summen bezahlt haben, um an ein humanitärer Visum zu gelangen. Der Fall wird zurzeit gerichtlich untersucht.

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