Eine unvollständige Notiz über die VPKB im internationalen Kontext

Gott liegt die Welt am Herzen und glauben ist etwas, das man gemeinsam tut

– Eine unvollständige Notiz über die VPKB im internationalen Kontext –

So wie es für einen Menschen nicht gut ist, sich über längere Zeit von anderen abzuschotten, wird eine Kirchengemeinde, die keine Kontakte zu anderen Kirchengemeinden pflegt, früher oder später in ernste Probleme geraten. Dies gilt auch für eine Landeskirche. Unsere VPKB ist eine kleine Kirche, auch im internationalen Kontext, aber eine echte Kirche, die weiß, wie wichtig Begegnung und Austausch sind und die im Bewusstsein lebt, Teil der Weltkirche zu sein und darin auch Verantwortung zu übernehmen. Und nicht nur zufällig hier und da, als ob sie nur teilnehmen wollten. Nein, sie ist gut überlegt, durchdacht und hat strukturelle Verpflichtungen.

 

Die Beziehungen zwischen der VPKB und ihren Schwesterkirchen lassen sich am besten mit einem herzlichen Interesse füreinander beschreiben, in guten und in schlechten Zeiten, in aufregenden und in langweiligen Zeiten. Die schwesterlichen Beziehungen müssen gepflegt werden, und das geschieht fast automatisch. Man besucht seine Freunde und Verwandten nicht nur, wenn etwas Besonderes los ist.

Andererseits sind wir immer selektiv und kritisch, wenn es um Einladungen zu thematischen internationalen Konferenzen geht, die von Dachverbänden organisiert werden. Wir können und dürfen bei allem protestantischen Verantwortungsbewusstsein, manchmal auch bei aller Neigung zum Aktivismus, nicht überall dabei sein. Bei jeder Einladung wägen wir ab, ob eine Beteiligung der VPKB einen Beitrag leisten könnte (was haben wir zu bieten?) und was sie uns bringen würde (was bekommen wir dafür?). Es ist gut zu wissen, dass es auch eine ganze Reihe von “Überschneidungen” oder “parallelen Aktivitäten” gibt. In jüngster Zeit haben beispielsweise mehrere internationale kirchliche Organisationen Konferenzen zu genau denselben Themen veranstaltet, etwa zu der Frage, wie man eine klassische Kirche sein und gleichzeitig andere kirchliche Formen entwickeln kann, oder zu der Frage, was die Kirchen aus der Coronakrise und ihren Folgen zu lernen haben, usw. Zuweilen gibt es sogar einen Wettbewerb. Denn wie die Landeskirchen neigen auch die internationalen kirchlichen Organisationen in diesen schwierigen Zeiten dazu, ihre Relevanz unter Beweis zu stellen und sich um finanzielle Mittel zu bemühen.

Um die Sache noch komplizierter zu machen, ist unsere VPKB eine vereinigte Kirche, was bedeutet, dass sie aus einem Zusammenschluss verschiedener konfessioneller Bewegungen hervorgegangen ist.

Diese verschiedenen Strömungen mögen in unserer Kirche in Belgien aufgegangen sein, aber auf internationaler Ebene leben sie weiterhin deutlich nebeneinander und hoffen auf unsere Beteiligung. Das typische Dilemma einer vereinigten Kirche…

Neben den strukturellen Kontakten gibt es auch eher zufällige Aktionen, insbesondere wenn es um Menschenrechtsverletzungen geht. Anfang dieses Jahres haben wir beispielsweise an den Botschafter von Weißrussland geschrieben, ein VPKB-Brief wurde an unsere Glaubensbrüder in der Ukraine gesandt, und letztes Jahr haben wir den Europäischen Auswärtigen Dienst der Europäischen Union über die Lage im Kongo informiert. Auch der pakistanische Botschafter erhielt einen besorgten VPKB-Brief, nach Kamerun wurde ein Brief über die islamistischen Milizen von Boko Haram geschickt, und es gibt gelegentliche Kontakte mit Kairos Palästina, d.h. palästinensischen Christen, sowie mit dem Obersten Rat der Evangelischen Gemeinschaft in Syrien und im Libanon.

Als kleine Landeskirche versuchen wir daher, mit unseren Schwestern und Brüdern weltweit in Kontakt zu bleiben, indem wir Erfahrungen austauschen, uns gegenseitig in Frage stellen und herausfordern, uns gegenseitig unterstützen und manchmal auch trösten und unsere prophetische Stimme weltweit zu Gehör bringen.

So geben wir der grenzenlosen Sehnsucht nach einer Welt voller Ganzheit und Solidarität Gestalt.

 

Pfarrer Steven H. Fuite

Präsident des Synodalrats der Vereinigten Protestantischen Kirche in Belgien

Foto: VPKB

 

Ohne die LeserInnen mit einer langen Liste langweilen zu wollen, folgt hier eine kleine Auswahl dieses Engagements, jeweils mit Angabe des Datums und des Ortes der letzten Sitzung.

Neben den sehr intensiven Beziehungen zu zwei Schwesterkirchen im Ausland, insbesondere zur Eglise Protestante au Rwanda (Namur, Mai 2022) und zur Uniting Reformed Church in Southern Africa (Südafrika, Oktober 2022), gibt es auch die enge Beziehung zur Evangelischen Kirche im Rheinland (Brüssel, November 2022), die Nähe und konkrete Zusammenarbeit mit der Eglise Protestante Unie de France (Paris, Juli 2022) sowie die regelmäßigen Kontakte und den Austausch mit der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche der Niederlande (Brüssel, September 2022). Die VPKB ist zudem Gründungsmitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen (Karlsruhe, August-September 2022), Mitgliedskirche der Konferenz Europäischer Kirchen (Brüssel, September 2022) sowie der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (Budapest, Oktober 2022) und engagiert sich in nicht weniger als zwei regionalen Untergruppen: der (französischsprachigen) Konferenz Evangelischer Kirchen in Lateinamerika (Sizilien, Oktober 2022) und der (deutschsprachigen) Nord-West-Gruppe (Luxemburg, April 2022). Und es gibt noch viel mehr, wie den Belgisch-Deutschen Konvent (Deutschland, August 2022) und – äußerst aktiv und aktuell – die Kommission der Kirchen für Migranten in Europa (CCME, Brüssel, Juni 2022).

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